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Wir
schreiben das Jahr 1890. Am Abend des 2. Februars saßen 26
Feuerwehrmänner im Dorfkrug zusammen, um die Gründung
der Freiwilligen Feuerwehr Hennstedt zu beschließen.
Doch
bevor ich auf diesen Abend eingehe, muß ich noch ein paar
Jahre zurückgehen. Denn durch eine Niederschrift ist zu
vermelden, daß im Jahre 1871, also 19 Jahre vor Gründung
der Freiwilligen Feuerwehr, eine neue Handdruckspritze
angeschafft wurde. Und mit diesem Gerät wurde in Hennstedt
Brandschutz gewährleistet und zwar in einer Zwang- oder
Pflichtwehr. Sie wurde auch Brandwehr genannt.
Und dieser
Brandschutz in jenen Jahren war bitter notwendig, denn fast alle
größeren Gebäude in Hennstedt waren mit Reet
gedeckt. Wenn so ein Gebäude in Brand geraten war, war das
Löschen hoffnungslos geworden. Aber die Nachbargebäude
wurden durch den Einsatz der Feuerwehr meist gerettet. Und dies
geschah so: Nachdem Mensch und Tier in Sicherheit gebracht
wurden, brachte der Spritzenführer und seine Mannschaft die
Spritze in Stellung und versorgten die zu rettenden Gebäude
mit Wasser. Der Steigerführer und seine Mannschaft bestiegen
die zu rettenden Gebäude und wehrten den Funkenflug auf den
Dächern ab. Sie benutzten dazu meist nasse Säcke oder
Decken, Feuerpatschen und Wasserbehälter.
Man gab
sich ein Statut, nahm dabei die Statuten der Feuerwehr Wasbek in
die eigene Statuten mit hinein. Hauptmann Hans Gripp und sein
Steiger- und Spritzenführer leiteten die Hennstedter
Feuerwehr nun auf freiwilliger Basis. Hans Gripp war bis 1892
Hauptmann. In seiner Zeit ist ein Stubenbrand in Harders Kate
gelöscht und das Gebäude gerettet worden.
1892
wurde Markus Ehlers Hauptmann. Seine Amtszeit ging bis 1896. Es
brannte der Laden des Gastwirt H.Peters. Das Gebäude brannte
völlig nieder. Nebengebäude wurden gerettet.
1896
wurde Hugo Schleiffahrt Hauptmann. 1906 legte er sein Amt nieder.
Einsätze in seiner Zeit: 1896 brannte ein Stall der
Springhoer Mühle. Am 15.Juni 1899 Einsatz in Poyenberg, die
Gebäude Schule, Harders und Reimer (heute Bolten) brannten
nieder. 1901 Feuer in Meezen, das Gebäude von Hans Timm
brannte, die Hennstedter Spritze fungierte als Zubringer.
1906
wurde Claus Göttsche Hauptmann. In seiner Zeit brannte durch
Blitzeinschlag das Haus von Hermann Möller 1909, in dem
selben Jahr ein Schuppen von Herrn M.Ehlers. 1911 legte Claus
Göttsche sein Amt nieder.
Klaus Gripp wurde
Hauptmann. 1915 Alarmierung der Freiwilligen Feuerwehr, in
Sarlhusen brannte das Anwesen des Landmannes Harders. Am
19.Februar 1918 brannte sein eigenes Anwesen lichterloh, an eine
Rettung war nicht mehr zu denken. Es wurden die Gebäude von
J.Suhr, F.Schurbohm und A.Engel gesichert, indem die Steiger die
Dächer besetzten. Die Hennstedter Spritze wurde am Dorfteich
in Stellung gebracht.
1920 legte Klaus Gripp sein Amt
nieder und Johannes Harder wurde Hauptmann. Seine Amtszeit war
die zweitlängste in der Hennstedter Feuerwehr. Sie dauerte
bis 1934, also 14 Jahre lang. In seiner Amtszeit waren Einsätze:
Am 4.Juni 1921 brannte in Lockstedt die Scheune von Sieberts, die
Hennstedter Wehr wurde alarmiert. Ein Feuerwehrmann fuhr mit dem
Fahrrad nach Lockstedt und kam mit der Nachricht zurück,
Blitzeinschlag, Feuer unter Kontrolle. Die Wehr brauchte nicht
mehr ausrücken. Am 3.März 1928 brannte es bei H.Röger,
die Steiger bestiegen das Haus von H.Langheim und Witwe Ehlers.
Am 17.März 1928 brannte der Schornstein bei H.Rohwedder. Das
Gebäude wurde gerettet. Am 27.Juli 1930 brannte die Kirche
in Kellinghusen. Die Hennstedter Wehr wurde alarmiert. Auf halbem
Wege drehte die Wehr um, da die Gefahr beseitigt war. Am
29.September 1932 brannte die Scheune von Kaak in Meezen, wurde
nicht bemerkt. Wir erhielten den Bescheid, 10 Mann als Brandwache
zu stellen.
An dieser Stelle enden die Eintragungen, also
von 1934 bis 1945, in unserem Protokollbuch. 1934 wurden
sämtliche Verbände aufgelöst, so auch die
Freiwillige Feuerwehr Hennstedt. Die Wehren wurden zu Amtswehren
zusammengefaßt, die Ortswehren wurden Ortslöschzüge,
Hennstedt wurde Löschzug II. Es wurden Übungen und
Excezieren vorgeschrieben, Übungen mußten 24 mal im
Jahr durchgeführt werden. In diesen Jahren waren Wehrführer:
Hans Schlüter, Hans Göttsche, Hans Wilckens, Wilhelm
Harms.
1939 wurde ein Magirus-Tragkraftspritze TS8/8
angeschafft, sie wurde von Wilhelm Harms auf den alten
Handkraftspritzenwagen montiert. 1940 wurde dann der TSA-Anhänger
in die Wehr eingebracht, bei der Anschaffung hatte dieser noch
Holzräder mit Stahlband. Die Magirus-Tragkraftspritze wurde
vom Handkraftspritzen-Wagen abgebaut, und in den TSA installiert.
Dieser TSA war mit Saug- und Schlauchmaterial und die Strahlrohre
mit Verteiler und Werkzeug bestückt. Mit diesem TSA und
einem grünen Mercedes-Feuerwehrfahrzeug, das von den
Alliierten aus Berlin nach Hennstedt verlegt war, wurde unter
Wilhelm Harms Feuerwehrdienst geleistet. Die Reparaturen an den
Fahrzeugen wurden in liebevoller Arbeit von Jonny Vogelreuter und
Kurt Harms durchgeführt.
Am 12.Dezember 1946 brannte
das Wohnhaus des Kaufmanns Johannes Krohn in Hennstedt nieder. Am
23.April 1948 brach ein Waldbrand des Besitzers Hans Lohse in
Richtung Innien aus. Anfang 1949 wurde eine Junggruppe
aufgestellt, die die älteren Jahrgänge etwas vom Dienst
entlasten sollten. 1950 endete die Amtszeit von Wilhelm Harms, er
wurde stellvertretender Amtswehrführer.
Wehrführer
wurde Klaus Lohse. 1953 brannte es in Poyenberg bei R.Reimers,
1955 brannte bei Klaus Gripp der Schornstein. 1956 Feuer auf dem
Boden der Bäckerei Jansen. Starke Rauchentwicklung
erschwerte die Brandbekämpfung. Nach 45 Minuten bereits war
der Einsatz beendet. 1962: Durch den Verkauf des amtseigenen
Löschfahrzeuges ist die Amtswehrgruppe aufgelöst
worden. Sie steht unserer Gemeinde als 1.Löschgruppe zur
Verfügung. 1964 endete die Amtszeit des Wehrführers
Klaus Lohse.
Am 12.November 1964 wurde Hans Bruhn
Wehrführer. Seine erste große Aufgabe war das
75-jährige Jubiläum. Es fand am 05.Juni 1965 statt.
Zitat von Hans Bruhn aus dem Protokollbuch: „Die
Freiwillige Feuerwehr Hennstedt feierte ihr Jubiläumsfest
aus Anlaß des 75-jährigen Bestehens. Wenige Minuten
nachdem der Alarm ausgelöst worden war, konnten die
Feuerwehrmänner einen Großbrand auf dem Sportplatz zu
Leibe rücken. Zuvor mußten aber 600 Meter Schlauch
gelegt werden, damit das Wasser auf den Brandherd gespritzt
werden konnte. Mehrere hundert Hennstedter und auswärtige
Besucher der Gemeinde sahen den Bemühungen der
Feuerwehrmänner zu, den Brand zu löschen. Die Übung
zeugte von dem hohen Ausbildungsstand der Feuerwehrmänner.
Kreisbrandmeister Claus tho Seith, der die Übung mit
Interesse folgte, lobte die Wehrmänner. Am Ehrenmal der
Gefallenen beider Weltkriege legten die Feuerwehrmänner im
Anschluß an die Übung einen Kranz nieder. Die
Feuerwehrkapelle aus Lägerdorf spielte das Lied vom gutem
Kameraden. Kreisbrandmeister Claus tho Seith lobte bei der
Brandkritik die Wehrmänner. Bürgermeister Hans Lohse
kündigte an, daß die Gemeinden der Feuerwehr im
kommenden Haushalt Mittel bereitstellen wollen, damit die
Ausrüstung verbessert werden kann. Beim Festessen mit
anschließendem Ball dankte Wehrführer Hans Bruhn allen
Gästen für das Kommen.“
Die nächste
große Aufgabe war ein neues Feuerwehrfahrzeug anzuschaffen.
Am 4.Mai 1971 wurde ein Fahrzeug, ein TSF/GW vom Bürgermeister
Paul Rehder übergeben. Es wurde ein großes Dorffest
gefeiert. Das Fahrzeug wurde bei einem Umzug, mit der
Feuerwehrkapelle Lägerdorf, dem Dorf vorgeführt.
Weitere
herausragende Daten in der Amtszeit von Hans Bruhn
waren: 14.April 1977: Eine neue Epoche für die
Freiwillige Feuerwehr Hennstedt, ein Funkgerät
(4-Meter-Band) wurde angeschafft. In diesem Zusammenhang wurde
die Feuersirene gleichzeitig auf Fernbedienung umgestellt. Und
man war mit der Leitstelle Itzehoe bei Einsätzen und Übungen
in Funkverbindung. 18.Mai 1983: Richtfeier des neuen
Gerätehauses in der Schulstraße. Das alte Gerätehaus
am Ehrenmal hatte nach annähernd 100 Jahren
ausgedient. 19.September 1983: Einweihung des neuen
Gerätehauses in Anwesenheit von Kreispräsident Georg
Rösler, Kreisbrandmeister Heinrich Dibbern und
Amtswehrführer Hans Reimers. 03.Januar 1984: Bei der
Jahreshauptversammlung wurde angeregt, Handfunkgeräte
(2-Meter-Band) anzuschaffen. Unsere Gerät sind kaum noch aus
unserem Feuerwehrdienst wegzudenken.
Ich meine, daß
die 24-jährige Amtszeit von Hans Bruhn, die die längste
Amtszeit in der Hennstedter Feuerwehr war, und ich glaube noch
sehr lange bleiben wird, einen tiefgreifenden Einschnitt im
Feuerwehrwesen gebracht hat. Und es kaum abzusehen, was noch
alles auf uns zukommt.
Einsätze in der Amtszeit von
Hans Bruhn: 01.April 1965: Die Tannenschonung von Paul Rehder
brannte, nach kurzer Zeit war die Gefahr beseitigt. 25.Januar
1967: In der Scheune von Otto Gloy war Feuer ausgebrochen,
Schaden 70.000 - 100.000 DM. 15.Juni 1968: Kleine Explosion in
der Spar- und Darlehenskasse Hennstedt. 25.Mai 1970:
Waldbrand, Schierenwald Lockstedt 15.Juli 1971: Suche nach
einer vermißten Frau 14.September 197: Die Wehr wurde
durch die Sirene alarmiert. Es brannte im Schuppen von Mahnke.
Als die Wehr erschien, war der Brand schon vom stellvertretenden
Wehrführer Bruno Wilckens mit einem Gartenschlauch
gelöscht. 03.Januar 1976: Sturmflut, Einsatz in
St.Margarethen. 26.August 1976: Großbrand, Gehöft
Hans Tietjens in Fitzbek (6 Wehren). 25.Februar 1977:
Brandeinsatz in Meezen, Wohn- und Wirtschaftsgebäude des
Bauern Peter Reimers brannte nieder. 18.März 1978
Brandeinsatz, Kate des Landwirt Claus Schlüter, 4
Kleinkinder ohne Aufsicht waren in Gefahr, Brandursache
ungeklärt. 04.Oktober 1979: Unglücksort
Bahnhofsanlage Brokstedt, Zugunglück durch nicht
geschlossene Schranken. 08.März 1980: Wohnwagenbrand in
Seelust. 22.November 1980: PKW-Brand in der Garage von Johann
Bade. 06.November 1981: Brand in Meezen, Wohn- und
Wirtschaftsgebäude des Landwirts Claus Bernhard Reimers
brannte nieder. 10.August 1983: Flächenbrand, Kornfeld
von Hans Heinrich Lohse, Auslöser war der
Mähdrescher. 15.April 1984: Melkschuppen von Heinz Lohse
in Seelust niedergebrannt. 13.Juni 1986: Großbrand in
Poyenberg, Reetdachkate Tesenfitz völlig
niedergebrannt. 1988: Es wurden 5 Ölspuren beseitigt,
PKW-Brand Richtung Aukrug, außerdem Düngemittelbrand
Raiffeisenbank.
Am 27.Januar 1989 trat Hans Bruhn für
viele Feuerwehrkameraden völlig überraschend zurück.
24 Jahre Wehrführer, das heißt auch 24 Jahre Kraft,
Mut und Willenskraft einsetzen für eine Sache, die der
Allgemeinheit und zuletzt auch unser Dorf Hennstedt zu Gute kam.
Ich wünsche mir, daß es in den nächsten 100 Jahre
viele, sehr viele solcher Feuerwehrmänner geben wird, die
unsere Freiwillige Feuerwehr Hennstedt aufrecht erhalten werden.
Ich als Nachfolger von Hans Bruhn hoffe, daß ich diesen
Wunsch erfüllen kann.
Gemeindewehrführer Gunther
Fentler
Quelle: Jahrbuch „100 Jahre Freiwillige
Feuerwehr Hennstedt“ aus dem Jahr 1990
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